PMP Dienste

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Beitragvon Waterprofi » Sonntag, 24. Juni 2018, 22:19:09

Zur Übertragung von Internet der sogenannten " letzten Meile" zum Kunden sollte auch die Richtfunkübertragung Point to Multipoint (PMP ) dienen. Für mehrere Anbieter versteigerte die RegTP/Bundesnetzagentur entsprechende Frequenzen mit regionalem Versorgungsauftrag. Dieser Versorgungsauftrag war dann regional auf Landesebene in Grundnetzbereiche gegliedert.
Der Staat nahm durch diese Frequenzversteigerung viele Millionen in seine Staatskasse ein.

Die Anbieter bemühten sich um den Netzausbau. Stießen aber beim Kunden auf wenig Akzeptanz. Man wollte keine Richtfunkantenne an seinem Haus.
In den USA ist PMP zum Beispiel in den Weiten des Landes ein gängiges Versorgungsmedium für Internet. Dort buddelt keiner Kabel quer durch die Pampa.

Zum Teil hatten aber auch die Anbieter Probleme mit deutschem Beamtentum zur Einrüstung ihrer Richtfunkantennen an Gebäuden. In Spanien zum Bsp. war es kein Problem einen Richtfunlspiegel an einem Kirchturm zu platzieren. In Deutschland ein absolutes no go.

Letztendlich war PMP nur für Großkunden oder Versorgung von Gewerbe und Industrie erfolgreich. Kunden und insbesondere der Staat erschwerten diesen Anbietern den Markteintritt erheblich.
So das diese Firmen dann nach 1 Jahr begannen die Segel zu streichen.
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Re: PMP Dienste

Beitragvon Richtfunker 2 » Sonntag, 24. Juni 2018, 22:21:20

Der Grundgedanke bei PMP ist, dass der Provider auf einer zentralen Richtfunkantenne einen Link zum Internet anbietet.
Der potentielle Kunde im Abstrahlbereich dieser Richtfiunkantenne (LOS) konnte dann ein bestimmtes Versorgungspacket kaufen, erhielt eine kleinere Richtfunkantenne an seinem Gebäude montiert und ein Modem bereitgestellt und konnte dann wie jeder Kabel-Internetnutzer seine Internetverbindung aufbauen. Der Provider speisste dann sein Versorgungsnetz breitbandig bei DTAG oder ähnlichem ( Colt.....) ein.
Eigentlich eine gute Sache und dieses ganze jetzige Blabla über schnelle Internet im ländlichen Raum wäre schon vor Jahren kostengünstig erledigt gewesen. Denn die PMP Infrastruktur trugen die Anbieter.
Jetzt werden unsinnig Milliarden von Euro an Staatsknete verpulvert um auch das letzte Haus im Wald mit schnellem Internet zu versorgen.
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Re: PMP Dienste

Beitragvon Uwe P. » Sonntag, 24. Juni 2018, 22:25:18

Einer dieser Anbieter von PMP war die Broadnet Deutschland GmbH mit Sitz in Schwalbach/Taunus.
Mutterkonzern von Broadnet Europa war US-Gigant Comcast. Einer der größten Netzbetreiber in den USA und ( zumindest damals) Eigner von Walt Disney und TV-Sender QVC.
Broadnet Deutschland GmbH erwarb für teuer Geld etliche Frequenzblöcke (28 MHz) in ganz Deutschland. In jedem der Gebiete entstand eine Niederlassung.
Versorgung: (Auszug)

Schleswig-Holstein G003 mit LH Kiel
Schleswig-Holstein G004 mit Lübeck
Hamburg G001 mit Hamburg im Bereich
Niedersachsen G002 mit Braunschweig + Peine i
Niedersachsen G007 mit Göttingen
Niedersachsen G010 mit Hannover
Niedersachsen G016 mit Stadt + LK Osnabrück
Bremen G001 mit Stadt Bremen
Bremen G002 mit Bremerhaven
NRW G002 mit Bielefeld + Gütersloh
NRW G003 mit Bochum+ Dortmund+ Ennepe-Ruhr-Kreis + Hagen + Herne
NRW G006 mit Bottrop + Gelsenkirchen + Recklinghausen
NRW G008 mit Diusburg + Essen+ Mühlheim/Ruhr + Oberhausen
NRW G010 mit Düsseldorf + Mönchengladbach + Neuss
NRW G012 mit Hamm + Soest
NRW G016 mit Köln + Leverkusen + Oberbergischer Kreis + Rheinisch-Bergischer Kreis
NRW G019 mit Mettmann+ Remscheid + Solingen + Wuppertal
Hessen G002 mit Darmstadt + LK Darmstadt-Dieburg
Hessen G003 mit Frankfurt/Main
Hessen G008 mit Stadt + LK Kassel
Hessen G011 mit Main-Taunus-Kreis + Wiesbaden
Hessen G013 mit Offenbach + Offenbach/Main
Rheinland-Pfalz G007 mit Mainz
Berlin G001 mit Gesamt-Berlin

Jeder dieser Versorgungsbereiche im Frequenzbereich 26 GHz und Frequenzblöcke je 2x 28 MHz

Eigentlich war Broadnet von der Dichte der Bevölkerung hervorragend aufgestellt.
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Re: PMP Dienste

Beitragvon kabelmax » Sonntag, 24. Juni 2018, 22:26:29

PMP hatte das Potential der damals gerade aufkommenden G3/G4 Generation im Mobilfunk das Wasser abzugraben. Die Lobby der Mobilfunker unter Führung DTAG/T-Mobil und Manndesmann Mobilfunk hatten den besseren Draht zur Politik wie diese neuen Anbieter und verschafften sich so illegal einen Vorteil.
Den PMP-Anbietern wurde das Leben und der Netzausbau schwer gemacht, bis sie reihenweise das Geschäft aufgaben. Auch Comcast hatte der Broadnet eine Timeline aufgegeben. Nach mehrfachem reißen der Zeitschiene schickte Comcast Berater aus den USA und als die dann auch sahen woher der Gegenwind kommt letztlich Streichung der Finanzen für Broadnet Deutschland.
Spanien und Portugal....... liefen weiter, da dort Erfolge und Umsatz zu sehen waren..
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Re: PMP Dienste

Beitragvon cableape » Montag, 25. Juni 2018, 18:34:19

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Re: PMP Dienste

Beitragvon Lutger » Dienstag, 26. Juni 2018, 22:49:53


Was willst du damit sagen ? Ich stehe gerade auf meiner Strippe.
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Re: PMP Dienste

Beitragvon cableape » Mittwoch, 27. Juni 2018, 01:37:28

Lutger hat geschrieben:

Was willst du damit sagen ? Ich stehe gerade auf meiner Strippe.


Dass es in Deutschland durchaus DSL-Provider gibt,
die ihre Produkte großflächig drahtlos (per Richtfunk) an die Nutzer verbreiten.
Ich war mal persönlich dabei, als ein Techniker auf einem Antennenmast
einer TV-Gemeinschaftsantennenanlage Messungen vorgenommen hat
zur Internet-Anbindung des Ortes über Richtfunk von einem bereits aktiven Verteilerpunkt.

Sicherlich sind die Geschwindigkeiten und Preise nicht berauschend
und die ganze Sache wurde vom Glasfaserausbau überholt.
Der genannte Anbieter arbeitet deshalb jetzt mit Hybridlösungen.

Funk ist ein Shared Medium.
Man kann die Frequenzen im Ausbreitungsgebiet nur einmal vergeben.
Darum sind die Bandbreiten im Vergleich zur Glasfaser stark begrenzt.
Man sollte bei der Streckenplanung immer Aufwand und Nutzen sehen.
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Re: PMP Dienste

Beitragvon Waterprofi » Mittwoch, 27. Juni 2018, 11:32:45

Nachfolgend kam es auch zur Auflösung der Broadnet GmbH Schwalbach in Form Übergang zum Mitbewerber Mediascap Hamburg. Firmierung als Broadnet Mediascap AG und Kurswechsel auf Versorgung von Großkunden. Dann folgte Firmierung als Broadnet AG. 2006 dann deren Verkauf an QSC Köln.

Die Hamburger Broadnet AG wird verkauft. Der Kölner Mitbewerber QSC übernimmt 67 Prozent des Anbieters von Breitbandnetzen für Telefon und Internet für rund 50 Millionen Euro, wie QSC bekanntgab. Der Vorstand der Hamburger Broadnet AG sei vom ersten Tag an vollständig in die Übernahmeverhandlungen eingebunden gewesen. "Es handelt sich also keinesfalls um eine feindliche Übernahme", sagte Broadnet-Sprecher Ties Kaiser. Verkäufer sind die Finanzinvestoren KKR und Comcast sowie das Broadnet-Management.
Das Unternehmen beschäftigt zur Zeit rund 200 Mitarbeiter in Hamburg und betreibt Telefon- und Internet-Standleitungen in verschiedenen Bandbreiten für Privat- sowie Geschäftskunden. Als nach eigenen Angaben einziger Provider in Deutschland bedient sich Broadnet dabei der Funktechnik Wireless Local Loop (WLL). Die Broadnet AG erwirtschaftete im ersten Quartal 2006 einen Umsatz von 12,1 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2005 waren es 37 Millionen Euro bei einem operativen Ergebnis von 4,6 Millionen Euro.
Mit der Übernahme der Broadnet AG wolle QSC sein Kerngeschäft mit Firmenkunden weiter stärken. "Besonders gut eignet sich dafür das Richtfunknetz der Hamburger, das unsere Netzdichte ausbaut", sagte QSC-Sprecherin Claudia Zimmermann dem Abendblatt. Mit dieser Technologie könne der neue Konzern künftig auch Kunden gewinnen, die sich per DSL nur schwer erreichen ließen. So werde QSC demnächst in der Lage sein, Gewerbegebiete am Rande von Ballungsräumen mit breitbandigem Internet zu versorgen, so Zimmermann weiter.
Die QSC-Gruppe werde künftig 660 Mitarbeiter in Köln und Hamburg beschäftigen. Mit dem Kauf von Broadnet habe das Unternehmen nun Zugriff auf 1200 Hauptverteiler in mehr als 140 deutschen Städten. Damit ist der Konzern in Deutschland jetzt der drittgrößte Breitbandnetzanbieter nach Telekom und Arcor.
Wegen des Zukaufs rechnet QSC für dieses Jahr mit einem Umsatzanstieg von 36 Prozent auf mehr als 265 Millionen Euro. Der operative Gewinn soll - wie geplant - 15 bis 20 Millionen Euro betragen. Zur Finanzierung der Übernahme hätten der Vorstand und der Aufsichtsrat von QSC eine Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien im Wert von 11,232 Millionen Euro beschlossen.
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Re: PMP Dienste

Beitragvon Richtfunker 2 » Mittwoch, 27. Juni 2018, 11:36:54

Zuvor übernahm Broadnet Mediascap aber in 2002 die KKFnet:

Der Hamburger Breitband-Betreiber Broadnet Mediascape communications AG will die Mindener KKFnet AG vollständig übernehmen. Damit werde sich der Monatsumsatz von Broadnet Mediascape verdoppeln, teilte die am Neuen Markt gelistete Firma am Dienstag in der Hansestadt mit. Außerdem werde der Konzern die operative Gewinnschwelle voraussichtlich früher als bislang geplant erreichen. "Wir haben unseren Aktionären versprochen, im anorganischen Bereich zu wachsen, in dem wir vorrangig Kunden und Umsatz übernehmen", sagte Broadnet-Vorstandsvorsitzender Frank Brügemann.
Die KKFnet AG verfügt den Angaben zufolge derzeit über 1800 mittelständische Breitbandkunden mit 3000 Highspeed-Anbindungen. Nach der stufenweise Übernahme werde Broadnet damit insgesamt 5200 Geschäftskunden betreuen, hieß es. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt ihrer Genehmigung durch das Bundeskartellamt, die in den nächsten Wochen erfolgen soll.
Die Investmentfirma Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) werde als Aktionär der KKFnet insgesamt 4,15 Millionen Euro investieren, hieß es ferner. Im Rahmen einer Barkapitalerhöhung werde Broadnet 1,17 Millionen Aktien aus dem genehmigten Kapital zu einem Kurs von 1,60 Euro pro Stück an KKR geben. Zusätzlich gebe

Broadnet im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung rund 2,9 Millionen Aktien aus dem genehmigten Kapital an KKR und an die Tenovis GmbH & Co KG als weiteren Aktionär von KKFnet. Die Anteile der übrigen Altaktionäre der Mindener Firma sollen den Angaben zufolge vorher von Broadnet und KKR gekauft werden. KKFnet verfügte Anfang Juli über Barmittel in Höhe von rund elf Millionen Euro und Broadnet Mediascape über 35 Millionen Euro. Die Broadnet-Aktie reagierte in einem leicht schwächeren Marktumfeld mit einem Kursanstieg um gut 13 Prozent auf 1,63 Euro auf die angekündigte Übernahme.
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Re: PMP Dienste

Beitragvon Schelle » Mittwoch, 27. Juni 2018, 14:01:24

Ich war schon in den 90gern dabei und wir hatten OSC als Partner und bauten für OSC die Kolokationsräume oder Call Center.....

Später- ich war der erste Niederlassungsleiter der NL Berlin für Broadnet GmbH.
Mit der Übergabe 2002 zu Mediascap erhielten so gut wie alle Beschäftigte von Broadnet die Kündigung. Nur 4 Führungsfiguren wechselten mit nach Hamburg. Ich war zu der Zeit bereits für Comcast in der Schweiz und baute für dortige Firma PMP in Melbourne.
Damals war es noch möglich, mit jeder Abwerbung zu anderer Firma das monatliche Einkommen gut zu verdoppeln.

Das PMP war damals auch WLL (Wireless Local Loop) genannt und heute wohl auch noch.
Im Grundkonzept war PMP/WLL damals etwas ganz was anderes und der Start war durch die Versteigerung der Frequenzen und der damit aufgedrückten Bedingungen in den Kosten völlig entgleist und mit dem Konzept kaum zu händeln. Auch wenn ich in Berlin mit der NL die erste Station deutschlandweit für Broadnet einbringen konnte, waren die Messen bereits gesungen und wir bekamen massig Berater aus den USA in die Zentrale. Aber die kamen gegen die sture unbewegliche deutsche Bürokratie des Beamtenapparates auch nicht an.
Einen der ehemaligen Kollegen traf ich einst am Bunker Freudenberg- den Jens Keye..
Ansonsten rannten ja alle in alle Richtungen auseinander. Denn der Markt wurde schlecht durch das platzen der IT-Blase an der Börse und etliche Unternehmen gab es plötzlich am Montag nicht mehr- obwohl am Freitag davor die Leut dort noch zur Arbeit waren.
Davon merkte ich im internationalen Maßstab nichts. Denn USA, Australien, China, Russland... überall wo ich dort war wurde WLL der Renner in der weiten Fläche und damit war Arbeit ohne Ende-

Glasfaser konnte seinerzeit dem WLL keinen Rang ablaufen. Denn Glasfasernetze auf der letzten Meile waren noch kein Thema und waren dort als zu kostenintensiv eingestuft.
Glasfaser kam erst die letzten 3 Jahre so richtig auf. Da mit den angebotenen Produkten dann Kupferkabel an die Grenzen kamen.

So, machts gut. Werde die Raststätte nun verlassen und weiter die Autobahn quälen. Traben-Trarbach muss heute noch erreicht werden. Frank weiß in welch abgelegener aber schönen Ecke der Ort liegt. Aber so abgelegen, die Leut dort glauben noch das es die DDR noch gibt.
Gestern war ich im Westerwald. Auch dort ist der alte Westen noch in Ordnung. :D
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