Sondernetz 1

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Re: Sondernetz 1

Beitragvon Monster » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:47:04

Es soll ein Netz für Datenübertragung von bis 2,4 kBit/s gewesen sein.


Solche Datenübertragung war über jeden herkömmlichen analogen Primärgruppenkanal. Im Bereich NVA öfter anzutreffen.

Aber dieses rechnergestützte System der der Verkehrsmessung und Leitweglenkung brauchte jeweils Datenleitungen für die Übertragung der Daten. Auch wenn der Hauptrechner in NZ2 Strausberg stehen sollte, brauchte das Rechnersystem Unterrechner in jedem Amt der oberen Netzebene, die dann im Verbund und direkt zum Hauptrechner EINE Verbindung brauchten.

Mehr war da nicht.

Ein Thema was beim S1 gern verschwiegen wird, ist der Führungsverbund NVA.
Außerhalb der LSK/LV war ein gewisser Neid über das in LSK/LV der NVA bestehende Führungssystem über übertragungstechnische Kanalbündel. In dem LSK/LV nach eigenem Gutdünken schalten und walten konnte.
Mit dem technischen Übertragungssystem des S1 bot sich dem MfNV erstmals die Möglichkeit, analog der LSK/LV ein Führungsnetz zu etablieren..
Bedeutet nicht weiter, denn im S1 Übetragungsnetz Sekundärgruppen in der oberen Netzebene geschalten waren, erhielt das Führungsnetz MfNV von den 5 möglichen Primärgruppen mindestens 1 Primärgruppe. Die dann vom Schaltbüro eigenständig mit 12 Kanälen beschalten werden konnte.
So ist auch zu erklären, dass dann GSSD Wünsdorf für "Ranet" 2 Primärgruppen im "S1Netz " hatte. Die eben nichts mit S1 zu tun hatten, sondern mit dem Führungsnetz MfNV ( das im Übertragungssystem des S1 Netzes abgezwackt war) um die Fernmeldeverbindungen des Oberkommandierenden GSSD/Front zu den Führungsstellen des NVA Hauptstabes sicher zu stellen. An Hand von bereitgestellten NVA/MfNV-eigenen Fernmeldeverbindungen kann nachvollzogen werden, dieses System zur GSSD war genau so Mitte der 80ger Jahre im Betrieb.
Monster
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Amtsberg » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:47:44

Interessant finde ich auch, wie sich im Sondernetz 1 die schmale fernmeldetechnische Basis der DDR darstellt.
Denn von Berlin gen Süden waren nur die Hauptfenmeldetrasse Berlin-Leipzig nutzbar und wenn ein Buddler mit seinem Krangreifer dieses Tubenkabel griff war Pumpe.
Dieser Vorgang kam mindestens 1x im Jahr vor.
Bezogen auf Sondernetz-1 waren dann sämtliche direkten Verbindungen von Berlin Richtung Süden tot. Alles was im Sondernetz-1 mit 3 oder 9 in der Kennziffer begann war dann mehrere Tage nicht erreichbar.
Denn alles was nach Dresden geschalten war lief über Leipzig.

Selbst der postalische Selbtwählverkehr gen Süden war dann betroffen.

Das selbe erlebten die Nutzer aus dem Norden der DDR. Denn deren Verbindungen verliefen über Berlin ( via Leipzig weiter ).
Dann nutzte auch die nicht funktionierende Leitweglenkung nichts. Wissen über Netz/Kabelstrukturen waren dann notwendig.
Nach Cottbus war ein Weiter über Frankfurt/Oder möglich. Also 2511 wählen = Vermittlung Frankfurt/Oder und Cottbus geben lassen.
Oder auch die Strecke Schwerin-Magdeburg-Erfurt konnte als Notlösung herhalten.

Ja, die Kollegen haben recht. Auf Basis von historischem Papier der Archive und des Soll dargestellte Beschreibungen geben ein falsches Bild ab.
Amtsberg
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Juwel » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:48:28

Manchmal konnte aus den S1-Rufnummer die jeweilige Ämterkonstellation erkannt werden.
Nehmen wir die FuTK Hinsdorf. Kennzahl 343533+11
Hauptvermittlungsstelle: "3" Leipzig
Knotenvermittlungsstelle: "34" Halle
Zwischenvermittlungsstelle: "3435" Dessau
und erst dort der Ausstieg "33" über eine Postmietleitung zum Objekt Hinsdorf

Oft wechselten die S1-Kennzahlen auch im Zuge des Netzaufbaus.
So scheint die MTS Bad Düben noch vor Fertigstellung der ZVSt Eilenburg ans S1 angeschalten worden zu sein.
MTS erhielt die Kennzahl 335 (-88) direkt vom Hauptamt "3" Leipzig.
1984 war dann Inbetriebnahme ZVST Eilenburg mit Kennzahl "335" und die MTS musste dann an due ZVST Eilenburg angeschalten werden und erhielt die neue S1-Rufnummer 33554 (-88) .
Juwel
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon darsz » Sonntag, 23. Dezember 2018, 20:49:24

Im S1 waren zwar alle Bedarfsträger vertreten. Jedoch erfolgte nicht die Freischaltung und Abschaltung der Netze der Bedarfsträger.
Außer das AFN der NVA über MfNV.
SED, Polizei, Zoll....(selbst die TSK der NVA) betrieben ihre eigenen Netze weiter und hatten dann 1991 das Glück diese Netze noch in Betrieb zu haben. Da prompt durch die Bundeswehr eine Abschaltung aller "Fremdnutzer" im dann als Bundeswehrgrundnetz bezeichnen S1 verfügte.
S1 erreichte bis 10/1990 also auch daher keine der angedachten Auslastungen.
darsz
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Manne747 » Montag, 24. Dezember 2018, 09:42:13

darsz hat geschrieben:SED, Polizei, Zoll....(selbst die TSK der NVA) betrieben ihre eigenen Netze weiter und hatten dann 1991 das Glück diese Netze noch in Betrieb zu haben.


Das stimmt zumindest für LSK/LV so nicht. Wir haben die vorhandenen Leitungen des Stabsnetzes einer anderen Verwendung
zugeführt. Mietleitungen der DP waren rar und da waren wir froh ein paar zusätzliche zu nutzen.
Bei kleineren Einheiten mit 1...2 Anschlüssen zum Stabsnetz LSK/LV wurden diese für das S1 verwendet. Waren dann für das Stabsnetz
der LSK/LV "verloren".
Manne747
 
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