Sondernetz 1

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Beitragvon Cora » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:39:43

löste das frühere Armeefernsprech-und Fernschtreibnetz ab.
siehe hier: http://www.nachrichtenbetriebsamt.de/s1.htm
Cora
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Oppenheim » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:40:57

SBZ = Schalt-und Betriebszentralen waren das Herz des Netzes. Dort standen Vermittlungstechnik und Übertragungstechnik für die regionale Versorgung der Endnutzer/Sonderbedarfsträger.
Ich möchte beginnen mit Potsdam = NZ 5 oder SBZ Potsdam:
Auf dem Areal des Militärgeschichtliches Institut der DDR (heute MGFA der Bw ) befand sich eine SBZ / Schalt-u.Betriebszentrale die abgerissen werden soll.
(Falls nicht schon geschehen)
Oppenheim
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Nordlicht » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:41:43

Die SBZ Potsdam war doch als GSVBw übernommen und blieb als einzige Ihrer Art im neuen IT Netz für Ostdeutschland erhalten.
Nordlicht
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Holzmichel » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:42:16

SBZ Leipzig und Neubrandenburg waren auch noch eine Weile in Diensten der Bundeswehr. Bedingt durch die Stationierung der 2 Divisionen in diesen Regionen.
Aber schon in den 90gern die Abwicklung.

Gummistiefel für all diejenigen, die vom Regen in Ausführung ihrer Weltrettungstätigkeit gestört werden!
Holzmichel
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Georg » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:42:52

Der größte Teil der Schalt-und Betriebszentralen ( SBZ) ist ab Oktober 1990 dem Auflösungswahn zum Opfer gefallen. Die Listung:
NZ-2 Strausberg - aufgelöst
NZ-24 Berlin - aufgelöst
NZ-25 Frankfurt/Oder - aufgelöst

NZ-3 Leipzig- Übernahme als GsVBw-70 ( GSVBW = Grundnetz Schalt-und Vermittlungsstelle Bundeswehr )
NZ-34 Halle - aufgelöst
NZ-35 Karl-Marx-Stadt - aufgelöst
NZ-36 Gera - Übernahme als GSVBw 74

NZ-4 Neubrandenburg - Übernahme als GSVBw-90
NZ-5 Potsdam - Übernahme als GSVBw-70

NZ-6 Stralsund - aufgelöst
NZ-64 Rostock - Übernahme als GSVBw -87
NZ-65 Putbus - aufgelöst

NZ-7 Erfurt - aufgelöst
NZ-74 Suhl - aufgelöst

NZ-8 Schwerin - aufgelöst
NZ-9 Dresden - aufgelöst
NZ-94 Cottbus - aufgelöst

NZ-0 Magdeburg - Übernahme als GSVBw-81

Damit verbunden- unkoordiniertes Handeln Schaltverantwortlicher der Bundeswehr. Die ja meistens keine Ossi NVA mehr brauchten und dafür dann im Gesamtsystem nicht mehr durchsahen.
Folge: Leitungsabschaltungen und Verbände der Übernahmestruktur Bundeswehr-Ost waren auf einmal im Grundnetz nicht mehr erreichbar.
Oder Verbände die aufgelöst werden sollten saßen zu früh abgekoppelt da und waren nur noch postalisch erreichbar. Postalisch - aber ohne jede Objektinfrastruktur. Oft lag der Postanschluß dann bereits in der Wache auf Endapparat. Weil Nebenstellenanlage bereits abgeschalten und Personal entlassen. Aber das Auflösungskommando musste kommunizieren.
Ziemlich hirnrissig die Entscheidungen im Bundeswehrkommando abgelaufen.
Georg
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Fernschreiber 1 » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:43:34

Für mich als Fernschreiber war die Fernschreib-Kennung dann interessant. Denn auf einmal konnte das Gegenüber zugeordnet werden.
Wir hatten in der KNZ Eggersdorf als Haupttelex vom S1 die 211,212,213
Mit Kennung 239-211-77. Die 77 stand für den Bedarfsträger NVA.
Andere Bedarfsträger waren:
-11 = Staatsorgane, Ministerrat
-22 = SED
-33 = Räte der Bezirke
-44 = MfS
-55 = Volkspolizei , Bereich MdI
-66 = Zoll
-77 = NVA
-99 = SBZ

Weiterhin war der Versuch, mit einheitlichen Nummern die Kommunikation schneller zu gestalten.
wir waren also 239-211 für NVA - Kdo LSK/LV
dann war 239-311 für NVA - MfNV
Wichtige NVA Stäbe also bei den Telexämtern der SBZ aus allgemeiner Fernschreibanschgluß die 211 oder 311 oder 411..... erhielten.

Der Anschluß 231 war MfS. Also 439-231 war BVfS Neubrandenburg oder 259-231 war BVfS Frankfurt/Oder
Die KD Mfs waren auf xx4 gepolt, also Anschlüsse 304 oder 314, oder 324 oder 334 oder 344......
Der Anschluß 238 war für die Leitfunkstellen MfS ( also die Üst7)-- Also 259-238 war Leitfunkstelle Frankfurt/Oder

Der Anschluß 241 war Rat des Bezirkes. Also 259-241 war RdB Frankfurt/Oder..... 439-241 war RdB Neubrandenburg

Der Anschluß 271 war BdVP. Also 259-271 war dann BdVP Frankfurt/Oder.... 439-271 war BdVP Neubrandenburg usw.

Due WKK waren auf Nummern xx7 gepolt, wie 307,317,327,337,.......

Eine weitere Kennung war die Endung HV. Wie 259-507-HV.... Das war die Fernschreibhandvermittlung.
Gern nutzten wir die Fernschreibhandvermittlungen der SBZ, denn sie wussten über die in ihrem Bezirk dislozierten Truppen, Organe und Behörden und leiteten die Fernschreiben dann weiter.

Mit Einführung der T310 kam die Endung "c" für Chiffrier hinzu. Also 239-218-77-c war dann der T310 Anschluß im Kommando.
Die 2000 im Kommando hatte 239-271-c-zac als Kennung. Konnte mit unserem Schlüssel und MfS Schlüssel arbeiten. Wenn deren T310 defekt war musste unsere SCZ/Fernschreibstelle die Fernschreiben zu anderen MfS Dienstorten absetzen.
Die 2000 der 3. LVD in Trollenhagen hatte 439-278-c-zavc.

So das wir eigentlich mit etwas logischem Verständnis so gut wie jedes Fernschreiben los werden konnten.
Selbst wenn wir den Fernschreibanschluß Bsp. einer MfS KD nicht kannten, konnten wir einfach so zum Vorgesetzten senden und der brachte das schon in seinem Verantwortungsbereich unter.
Fernschreiber 1
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Gambit » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:44:20

Im Fernsprechbereich waren ähnliche Hilfen gängig.
411 oder 511 oder 811 oder 911..... waren die bezirklichen Vermittlungsplätze der SBZ. Dorthin gaben wir den Teilnehmer wenn wir die Dienststelle selbst nicht verzeichnet hatten.
Oder Nutzung von analogen Einwahlrufnummern.
Ich denke da an
xx26 war SED - wie 5326 SEB BL Potsdam, 2526 SED BL Frankfurt/Oder .... und die konnten in ihrem Netz weiter vermitteln.
So war die SED KL Strausberg erreichbar über 2526-7910+a, also Querwahl über die SED BL.

xx25 war Rat der Bezirke- wie 2525 RdB Frankfurt/Oder

xx24 war MfS- wie 2524 BfVS Frankfurt/Oder-- das zog sich bis zu den KD wie 25724-10 KD Seelow oder 25424-10 KD Füwe oder 28924 KD Bernau...
4724 war BfVS Neubrandenburg... darüber dann erreichbar mit 4724+5803p das MfS Genesungsheim Waldsee und über die dann wieder das MfS MZO Brückenthinsee - diese kleine Herzchen-Insel.
Aber mit 4345+11 konnte die Abt 2000 der 3. LVD erreicht werden. Wich aber von den Nomenklaturnummern ab.

xx23 waren VPKA- wie 2323-1 das VPKA Strausberg
xx29 war VP - wie 2529 BdVP Frankfurt/Oder
xx34 war Zoll

Aber auch Zivile hatten außenliegende Rufnummern von Objekten- wie 5725-288, das war der DH Meteorologe des ZWD Potsdam.

Ich möchte so konstatieren, unsere ZB Frauen älterer Bauart waren mit dem alten NVA Netz quasi groß geworden und hatte arge Probleme dieses S1 mit all seinen neuen Nutzern und Feinheiten überhaupt zu begreifen.
Gambit
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon mro » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:44:57

Das S1 war auf verschiedenen Netzebenen aufgebaut. Diese Netzebenen kamen zu unterschiedlichen Zeiten zur Entwicklung/zum Aufbau.
Höchstes Amt war das Hauptamt (HA) oder auch Hauptvermittlungsstelle (HVST). Gekennzeichnet durch 1-stellige Ziffern.
Das waren NZ-2 bis NZ-0.
Die Verbindungen unter den Hauptämtern waren die obere Netzebene.
Wichtige staatliche + milit. Einrichtungen waren in der Regel auf die Hauptämter aufgeschalten. Wie MfNV, Kommando.... Ausnahme war Berlin.
Nächste Segment war das Knotenamt (KA) oder auch Knotenvermittlungsstelle (KVST). Gekennzeichnet die 2-stellige Ziffern. Das waren z.Bsp. NZ-24, NZ-25, NZ-65, NZ-64.....
Die Verbindungen zwischen HA und KA waren auch noch obere Netzebene.

Nächst niedere Segment war das Zwischenamt (ZA) oder auch Zwischenvermittlungsstelle (ZVST). Gekennzeichnet durch 3-4 stellige Ziffern.
Die Verbindungen zu den ZA war dann die mittlere Netzebene.

Dann war noch eine untere Netzebene vorhanden. Das waren die Verbindungen zu den Endämtern (EA) oder Endvermittlungsstellen (EVST)- die Leitungen zu den Nutzern.

MfNV war am HA-2 Strausberg mit Kennzahl 2732
Kdo LSK/LV war am HA-2 Strausberg mit Kennzahl 2734.

ZGS LSK/LV war zweigeteilt. Im Bunker an KA-24 Berlin mit 2444 und in TUK an KA 25 FFO mit 25444.

Ich hatte die ersten Schritte des S1 ja noch mitgemacht. Ein wenig ist an Gedächtnis noch geblieben.
Für und war damals neu, das die Leitungen zwischen dem HA-2 und unserer Basa-Anlage dann in gerichtete Verbindungen aufgeteilt waren.
So waren doppelt gerichtete Kanäle dabei. Bedeutet, sie konnten belegt werden mit 2734 zu uns rein sowie mit der 9 von uns zum S1 raus.
Kommend gerichtete Leitungen waren nur für die Einwahl 2734.
Gehend gerichtete Leitungen waren nur für die Auswahl 9.
mro
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Paulus » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:45:32

Oft wird mit Sicherheit in anderen Veröffentlichungen auch viel übertrieben. Und mit Sicherheit von den Personen, die damals selbst zu dämlich waren in de S1 fehlerfrei zu telefonieren.
Ich weiß das noch aus der Anfangszeit, als die ersten Kennrufnummern im FWV veröffentlich wurden. Dort stand dann für MfNV 2732+88. Was taten die Deppen ? wählten 9-2732+Rufnummer um ihren OO zwei Zimmer weiter anzurufen. Ergebnis, sämtliche Leitungen zum MfNV oder auch Kdo LSK/LV waren ständig besetzt und das führte erst zu einer sehr großen Entstörungsaktion. Ohne Ergebnis, das Manko blieb aber.
Dann wurde in NZ-2 eine Verkehrsmessung beauftragt. Die lieferten dann in Papierform schwarz auf weiß dieses Dilemma des Unverständnis der Endnutzer. Massenhaft wurde ins S1 und wieder zurück gewählt um dann im Objekt die Partner der Dienstgeschäfte zu erreichen.
Dabei brauchten sie nur wie bisher die 4-stellige Rufnummer zum Nachbarzimmer wählen.
Schon damals hob kaum einer den Hintern um die 2 Zimmer weiter zu gehen und das entsprechende Problem direkt zu bereden.
Paulus
 

Re: Sondernetz 1

Beitragvon Monster » Sonntag, 23. Dezember 2018, 18:46:09

"...arbeitete automatisch..." ist in anderen Veröffentlichungen zu lesen- sicher, damit bezeichneten wir eigentlich den Selbstwählverkehr im Netz zu allen Bedarfsträgern. Weil der Selbstwähldienst zuvor bei den Bedarfsträgern untereinander nicht mögich war. Jeder hatte eben sein eigenes abgeschirmtes Netz. So für Fernsprech, als auch für Fernschreib.

Der "rechnergestützte Betrieb" bezog sich allein auf die Leitweglenkung im Fernsprechanteil des S1. In dem durch Messung der Verkehrsströme eine überpropationale Belastung bestimmter Übertragungstrecken festgestellt werden konnte, um dann die Nutzer über weniger frequentierte Übertragungsstecken umzuleiten. Hintergrund war die Vermeidung von Gassenbesetztfällen.

Bsp: Kdo LSK/LV hatte viel mit Stab/GS 1. LVD zu tun. Kennzahl 9445---
Bedeutet praktisch:
ich wählte die 9 und war im S1
Dann die 9445
ich wählte die 9 und belegte damit eine Leitung der Gasse NZ2 Strausberg-NZ9 Dresden
ich wählte die 4 und belegte damit eine Leitung der Gasse NZ9 Dresden - NZ94 Cottbus
ich wählte die 45 und belegte eine Leitung der Gasse NZ94 Cottbus zur VNZ 1. LVD Cottbus
ich wählte dann die Apparaterufnummer des gewünschten Teilnehmers.

Eine Telefonitis vom Stab 3. LVD zum Stab 1.LVD hätte die gleichen Stationen/Abläufe zur Folge.
Folglich waren nicht nur Telefonierer von/nach Dresden auf dem Übertragungsweg Dresden-Berlin ( oder Dresden-Neubrandenburg....) unterwegs, sondern auch jene Nutzer von/nach Cottbus.

Wenn jetzt der Übertragungsweg Berlin-Dresden gestört war, hatte NZ-2 die Möglichkeit eine Quermasche in Form Übertragungsweg von 1 Primärgruppe zw. NZ2 Strausberg und NZ94 Dresden für den Wählbetrieb frei zu geben. Im Normalbetrieb war dieser Weg gesperrt. Es waren ja auch nur 10 Kanäle.
In der Idee des S1 sollte diese Gassenfreischaltung der Steuerrechner machen. Real musste die Handlung jedoch händisch vom Personal erfolgen.

Denn die Rechnerabstützung und Leitweglenkung war Theorie und so in den ausgewerten Papieren nicht enthalten. Dort steht nirgends das diese rechnergestützte Leitweglenkung bis zum Ende der DDR eben nicht funktionierte.
Monster
 

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